In Kürze

  • Der Schaffhauser Verlag Bock, der unter der Dachmarke «shmedien» auch das Nachrichtenportal «Schaffhausen24» betreibt, sendet seit dem 1. Juli 2026 im Testbetrieb «Radio Schaffhuuse» – ein Programm, dessen Wortbeiträge mit Ausnahme der Musik praktisch vollständig von künstlicher Intelligenz gesprochen werden; ein eigenes Tonstudio mit festem Sprecherteam besitzt der Sender nicht.
  • Die gesendeten Texte stammen von der Redaktion sowie von regionalen Vereinen, Verbänden und Gemeinden und werden über künstlich erzeugte, an Redaktionsstimmen angelehnte Stimmen vorgelesen; empfangbar ist «Radio Schaffhuuse» in der Ostschweiz über DAB+ (Kanal 5D) sowie als Web-Player auf radio-sh.ch.
  • Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) stellte das Projekt am 30. Juli 2026 im «10vor10» einem nationalen Publikum vor und dokumentierte in einer begleitenden Recherche technische Schwächen bei der Aussprache von Gemeinde- und Personennamen sowie eine Lücke bei der KI-Kennzeichnung: Ein Hinweis erscheint im Webplayer, nicht aber im DAB+-Signal.

Was ist passiert?

Der Schaffhauser Verlag Bock, im Besitz des Unternehmers Giorgio Behr, betreibt unter der Dachmarke «shmedien» unter anderem das Online-Portal «Schaffhausen24». Seit dem 1. Juli 2026 ergänzt der Verlag sein Angebot im Testbetrieb um «Radio Schaffhuuse» – ein Sender, dessen Wortbeiträge mit Ausnahme der Musik praktisch vollständig von künstlicher Intelligenz vorgelesen werden. Publizistisch verantwortlich zeichnet weiterhin die Redaktion: Sie schreibt und prüft sämtliche Texte, bevor diese künstlich vertont und ausgestrahlt werden. Ein eigenes Tonstudio mit festem Sprecherteam betreibt der Sender nicht; Projektleiterin Lara Gansser und Verleger Giorgio Behr stellten das Konzept gemeinsam vor.

Inhaltlich speist sich das Programm aus dem Nachrichtenportal «Schaffhausen24» sowie aus Beiträgen regionaler Vereine, Verbände und Gemeinden. Empfangbar ist «Radio Schaffhuuse» in der gesamten Ostschweiz über DAB+ auf Kanal 5D sowie weltweit über den neu lancierten Web-Player auf radio-sh.ch. Am 30. Juli 2026 griff Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) das Projekt im «10vor10» auf und stellte es damit einem nationalen Publikum vor – nach eigenen Angaben eines der ersten vollständig KI-moderierten Radioprogramme der Schweiz.

Warum ist das wichtig?

Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark generative Sprach- und Stimmtechnologie die Kostenstruktur von Lokalmedien verändert. Ein durchgehendes Radioprogramm mit menschlichen Sprecherinnen und Sprechern erfordert normalerweise ein Tonstudio, geschultes Personal und einen durchgetakteten Sendeplan – Investitionen, die sich für einen Verlag der Grösse von «shmedien» kaum lohnen würden. Mit KI-Vertonung lässt sich derselbe redaktionelle Aufwand auf ein Vollprogramm ausweiten, ohne zusätzliches Sprecherpersonal einzustellen.

Gleichzeitig macht die SRF-Recherche deutlich, wo die Technik an Grenzen stösst: Die künstlichen Stimmen haben laut Bericht insbesondere Mühe mit der korrekten Betonung und Aussprache von Schaffhauser Gemeindenamen und Namen lokaler Politikerinnen und Politiker – ein Problem, das bei global trainierten Sprachmodellen bei kleinräumigen, dialektal geprägten Namen typischerweise auftritt. Zudem zeigte die Recherche eine Lücke bei der Transparenz: Während der Webplayer einen Hinweis auf den KI-Einsatz einblendet, fehlt eine entsprechende Kennzeichnung im DAB+-Signal bislang.

Was bedeutet das für die Schweiz?

  • «Radio Schaffhuuse» zeigt konkret, wie ein kleiner Schweizer Regionalverlag dank KI-Vertonung ein eigenes Vollprogramm produzieren kann, für das ein klassisches Tonstudio mit festem Sprecherteam finanziell ausser Reichweite läge – ein Modell mit möglicher Signalwirkung für weitere Regionalmedien im Land.
  • Dass die KI-Kennzeichnung bislang nur im Webplayer, nicht aber auf dem DAB+-Signal erscheint, verweist auf eine Lücke im Schweizer Recht: Anders als die EU-KI-Verordnung, deren Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte seit dem 2. August 2026 gelten, kennt die Schweiz bislang keine vergleichbare gesetzliche Kennzeichnungspflicht für synthetisch erzeugte Radiostimmen.
  • Der Einsatz von an reale Redaktionsmitglieder angelehnten Stimmen wirft zusätzlich persönlichkeits- und datenschutzrechtliche Fragen auf; Schweizer Medienhäuser mit ähnlichen Plänen sollten Einwilligung, Widerrufsrecht und Zweckbindung solcher Stimmnachbildungen vertraglich sauber regeln, bevor sie live gehen.

Verwendete Quellen

SRF berichtete am 30. Juli 2026 im «10vor10» sowie in einem begleitenden Online-Artikel über «Radio Schaffhuuse»; kleinreport.ch und persoenlich.com hatten den Sendestart bereits im Juni und Juli 2026 eingeordnet.

Häufige Fragen

Was ist die Kernaussage zu «Radio Schaffhuuse»: Schaffhauser Verlag lässt sein Radioprogramm von KI-Stimmen moderieren?

Der Schaffhauser Verlag Bock, der unter der Dachmarke «shmedien» auch das Nachrichtenportal «Schaffhausen24» betreibt, sendet seit dem 1. Juli 2026 im Testbetrieb «Radio Schaffhuuse» – ein Programm, dessen Wortbeiträge mit Ausnahme der Musik praktisch vollständig von künstlicher Intelligenz gesprochen werden; ein eigenes Tonstudio mit festem Sprecherteam besitzt der Sender nicht.

Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?

«Radio Schaffhuuse» zeigt konkret, wie ein kleiner Schweizer Regionalverlag dank KI-Vertonung ein eigenes Vollprogramm produzieren kann, für das ein klassisches Tonstudio mit festem Sprecherteam finanziell ausser Reichweite läge – ein Modell mit möglicher Signalwirkung für weitere Regionalmedien im Land.

Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?

SRF berichtete am 30. Juli 2026 im «10vor10» sowie in einem begleitenden Online-Artikel über «Radio Schaffhuuse»; kleinreport.ch und persoenlich.com hatten den Sendestart bereits im Juni und Juli 2026 eingeordnet.